Erfahrungsbericht: Ellies Reise zu sich selbst
Als ich Ellie das erste Mal traf, war sie unglaublich schüchtern. Vorsichtig, zurückhaltend und mit dieser leisen Unsicherheit, die so viele Menschen begleitet, wenn sie zum ersten Mal den Mut finden, sich zu zeigen. Gleichzeitig war da aber auch etwas anderes: eine bewundernswerte Neugier. Der Wunsch, Neues auszuprobieren, Grenzen zu verschieben und herauszufinden, wer sie eigentlich sein möchte. Dafür nahm sie sogar mehrere hundert Kilometer Anfahrt in Kauf… nur, um sich diesen einen Tag zu schenken.
Gemeinsam mutiger werden
Manchmal braucht es nur einen Menschen, der sagt: „Ich kenne dieses Gefühl. Du bist nicht allein.“
Auf meinem Instagram-Account Stilvoll Feminin möchte ich Menschen aus der Community ermutigen, sich miteinander zu vernetzen, Erfahrungen zu teilen und sich gegenseitig auf ihrem ganz persönlichen Weg zu unterstützen.
Ob erste Schritte, kleine Erfolge, Unsicherheiten oder große Veränderungen. Jede Geschichte kann anderen Mut machen.
Denn während die einen ihre Erfahrungen teilen, lesen andere vielleicht noch ganz still mit. Und manchmal ist genau das der erste Schritt, sich selbst etwas mehr zu trauen.
Gemeinsam statt einsam. Ohne Bewertung, ohne Druck, aber mit ganz viel gegenseitigem Verständnis.
Schau doch gerne mal auf meinem Profil vorbei:
Hat Crossdressing eine
Altersgrenze?
Nein! Wofür sollte man zu alt sein?
Zu alt, um ein Kleid zu tragen, das einem gefällt? Zu alt, um sich schön zu fühlen? Zu alt, um neugierig auf eine Seite von sich selbst zu sein, die vielleicht Jahrzehnte im Verborgenen gelebt hat?
Viele Menschen glauben, Crossdressing sei etwas für junge, schlanke Personen mit perfekter Haut und bereits femininen Zügen. Aber die Realität sieht anders aus. Diesen gesellschaftlichen Druck, gewisse Anforderungen nicht zu erfüllen um sich überhaupt mit sich selbst verbunden fühlen zu dürfen, kennen wohl leider auch fast alle CisFrauen im Alltag.
Gerade ältere Crossdresser bringen dabei oft etwas mit, das vielen Jüngeren fehlt: Gelassenheit, Lebenserfahrung und den Mut, sich weniger von den Erwartungen anderer abhängig zu machen.
Ja, der Körper verändert sich mit
den Jahren.
Schönheit hatte aber noch nie
ausschließlich etwas mit Alter zu tun. Der Spruch „Schönheit
kommt von Innen“ mag kitschig sein, trägt aber eine Wahrheit in
sich, die ich als Maskenbildnerin in sämtlichen Bereichen
meiner Arbeit erlebe:
Fühlt ein Mensch sich gesehen, mit dem was er innerlich empfindet und sich äußerlich wünscht, und wird dabei so akzeptiert, ist das sehr viel kraftvoller als ein Aussehen nach gesellschaftlichen Standards.
Jeder Mensch geht seinen persönlichen Weg im eigenen Tempo und nicht alle sind mit den selben Umständen auf die Welt gekommen. Natürlich war die Gesellschaft in den 60er Jahren noch eine andere als die heutige, mit der LGBTQ+ Bewegung. Meine Kunden sind zwischen 20 und 80 Jahren alt und trotzdem verbindet sie alle eines: es ist nie zu spät, wenn eine Sehnsucht da ist. Vielleicht ist die eigentliche Frage daher:
„Wie viele Jahre möchte ich noch warten, bevor ich mir erlaube, ich selbst zu sein?“
Was viele nicht sehen …
… ist die Geschichte hinter dem Bild. Die Wünsche, die Persönlichkeit und all die kleinen und großen Schritte, die einen Menschen zu dem machen, der er heute ist. Marina beispielsweise besucht mich ein- bis zweimal im Jahr. Ihre Outfits sind bis ins kleinste Detail geplant, teilweise sogar maßgeschneidert; so wie dieses wunderschöne Dirndl. Sie genießt ihre besonderen Momente en femme und fühlt sich ansonsten in ihrer männlichen Rolle wohl.
Doch jede meiner Kund*innen bringt eine ganz eigene Geschichte mit:
Manche stehen noch ganz am Anfang. Beim ersten Termin vielleicht schüchtern und unsicher. Mit jedem weiteren Besuch werden wir mutiger. Wir experimentieren mit Stilen oder kombinieren ganz selbstverständlich weibliche und männliche Elemente. Andere darf ich auf ihrem Weg der Transition begleiten. Dann ist zwischen Make-up und Styling auch Platz für Gespräche über Hormone, bevorstehende Eingriffe, Veränderungen, Ängste und Hoffnungen.
Was all diese Menschen verbindet? Dass sie unterschiedlicher kaum sein könnten.
Begriffe wie Crossdresser, non-binär oder Transgender helfen vielleicht bei der Einordnung. Aber kein Begriff könnte der Vielfalt meiner Kund*innen wirklich gerecht werden.
Und genau deshalb nehme ich mir
Zeit.
Ich möchte den Menschen
kennenlernen, der vor mir sitzt. Du darfst ausprobieren, entdecken, reden,
lachen oder einfach nur genießen. Denn was du auf diesem Foto nicht siehst, ist
für mich das Wichtigste an meiner Arbeit: der Mensch hinter dem
Make-up.
Sommer Treffen zum CSD
Köln
Das Crossdresser Sommer-Event bei Köln – ein Tag voller Mut, Begegnungen und neuer Freundschaften
Für viele war es der perfekte Start in einen besonderen Tag und für einige sogar das allererste Mal, sich in einem geschützten Umfeld so zu zeigen, wie sie sich schon lange erleben möchten. Auch wenn die Veranstaltung als Crossdresser-Treffen angekündigt wurde, richtete sie sich nicht ausschließlich an Crossdresser. Unsere Gruppe war wunderbar bunt gemischt: Neben Crossdresserinnen nahmen auch Trans*Frauen sowie Ehe- und Lebenspartnerinnen teil. Genau diese Mischung machte die Atmosphäre besonders herzlich und selbstverständlich. Niemand musste sich erklären oder in eine bestimmte Schublade einordnen. Im Mittelpunkt standen gegenseitiger Respekt, Offenheit und die Freude daran, einen schönen Tag miteinander zu verbringen.
Nervosität & Scham
Hinter jedem Styling steckt oft viel mehr als MakeUp oder Kleidung. Am Anfang steht vor allem Nervosität. Es geht um Scham abbauen. Sich ausprobieren dürfen. Sich selbst vielleicht zum ersten Mal ein Stück näher kommen. Viele Menschen unterschätzen, wie viel Mut es kostet, sich zum ersten Mal wirklich zu zeigen.
Bei meiner oben gezeigten Kundin
durfte ich diesen Prozess begleiten und es macht mich stolz,
diese Entwicklung zu sehen:
Von der Unsicherheit hin zu mehr
Selbstvertrauen, mehr Leichtigkeit und dem Mut, sich heute
sogar öffentlich zu zeigen.
... am Besten trage ich Schwarz
Beim letzten Termin haben Andrea und ich gemeinsam dieses wunderschöne Outfit ausgesucht. Beim nächsten Termin durfte es endlich raus aus dem Kleiderschrank und mit uns in der Sonne einen Kaffee trinken.
Viele Crossdresser greifen fast ausschließlich zu Schwarz oder sehr gedeckten Farben. Aus Angst, zu sehr aufzufallen, breiter zu wirken oder den Blick auf vermeintlich männliche Merkmale zu lenken.
Dabei können die richtigen Farben unglaublich viel bewirken: Sie lassen den Teint frischer erscheinen, bringen Persönlichkeit ins Outfit und verleihen der gesamten Ausstrahlung mehr Leichtigkeit.
Entscheidend ist welche Farben, Muster und Schnitte zu dir passen.
Andrea zeigt heute ganz wunderbar: Feminin kann auch einfach fröhlich, bunt und sichtbar sein.
Mythen über Crossdresser
„Crossdresser wollen automatisch eine Frau sein.“
Nicht unbedingt. Crossdressing und Geschlechtsidentität sind nicht das Gleiche. Viele genießen einfach die feminine Seite an sich, ganz unabhängig davon, wie sie sich identifizieren.
„Das ist nur ein Fetisch.“
Für manche kann Sinnlichkeit dazugehören. Für viele geht es aber um Ausdruck, Freiheit, Schönheit, Ruhe oder einfach darum, sich selbst näher zu fühlen.
„Man erkennt Crossdresser sofort.“
Nein :) Viele verbringen Jahre damit, Styling, Körpersprache und Make-up zu perfektionieren — oft aus Angst, negativ aufzufallen.
„Crossdresser sind unsicher oder seltsam.“
Die meisten sind ganz normale
Menschen:
Väter, Partner, Kollegen,
Selbstständige, kreative oder sensible Menschen mit einer
Seite, die sie oft jahrelang verstecken mussten.
„Darüber offen zu sprechen ist doch einfach.“
Tatsächlich begleiten viele starke Scham, Angst vor Ablehnung oder Doppelleben-Gefühle. Genau deshalb sind Verständnis und ein sicherer Raum so wichtig.
Ich habe keine „en femme“ Figur
„Ich bin zu dick für Kleider.“ / „Meine Schultern sind zu breit.“ / „Meine Statur ist zu groß für ein gutes Passing.“
Solche Sätze höre ich als Stylistin für Crossdresser tatsächlich sehr häufig.
Nicht jede Lady hat eine klassische Sanduhrfigur und das muss sie auch nicht! Mein Kleiderfundus reicht aktuell bis Größe 46/48, weitere Modelle in Größe 50/52 sind bereits im Aufbau.
Und ganz ehrlich? En Femme zu gehen hat viel weniger mit deiner Kleidergröße zu tun, als viele denken.
5 Tipps für eine feminine Wirkung:
1. Die Silhouette ist wichtiger als die Kleidergröße: Ein gutes Taillenmieder kann wahre Wunder wirken und sorgt oft für deutlich harmonischere Proportionen. Passende Modelle habe ich auch vor Ort im Fundus.
2. Make-up kann mit Schattierungen ein Doppelkinn optisch reduzieren und das Gesicht schmaler wirken lassen.
3. Entsprechende Perücken-Formen helfen, dass Gesicht ebenfalls optisch zu schmälern und breite Schultern zu „brechen“ indem sie durch Länge kaschieren.
4. Noch ein Tipp für die Schultern: Auf den Schnitt achten. Der richtige Sitz der Schulternaht, längliche Ausschnitte oder ein Tuch/Stola, dass die Form unterbricht, lassen einen maskulinen Oberkörper femininer wirken.
5. Große Ladies haben einen echten Vorteil: Wer größere Füße hat, findet oft deutlich bequemere Pumps mit niedrigerem Absatz. Und mal ehrlich: Nach mehreren Stunden Fotoshooting oder Event freut sich jede Lady über bequeme Schuhe :)
Am Ende geht es nicht darum, einen perfekten Frauenkörper zu haben. Es geht darum, das Beste aus den eigenen Voraussetzungen herauszuholen und sich endlich einmal so zu zeigen, wie man sich selbst gerne sehen und spüren möchte.
Trans*Frauen & Missverständnisse
„Man erkennt eine Trans*Frau immer.“
Nein. Trans*Frauen sehen genauso unterschiedlich aus wie Cis*Frauen. Und niemand schuldet anderen ein bestimmtes Aussehen oder perfektes „Passing“.
„Trans*Frauen wollen eigentlich Männer sein, die sich als Frauen verkleiden.“
Eine Trans*Frau ist eine Frau. Kleidung, Make-up oder Perücke können ihren Ausdruck unterstützen – sie machen aber nicht ihre Identität aus.
„Jede Trans*Frau möchte Hormone und eine komplette (/mehrere) Operation.“
Eine Transition ist individuell. Manche wünschen sich medizinische Schritte, andere nur einzelne oder gar keine. Keine Operation entscheidet darüber, ob ein Transgender „wirklich“ eine Frau ist.
„Transsein sagt etwas über die se*uelle Orientierung aus.“
Falsch! Geschlechtsidentität und se*uelle Orientierung sind zwei verschiedene Dinge.
„Wer es nicht schon als Kind wusste, kann nicht trans sein.“
Nicht jede Person hatte früh die Worte, die Sicherheit oder den Raum, ihre Identität zu erkennen. Manche wissen es schon als Kind, andere verstehen es erst viele Jahre später.
Trans*Frauen müssen niemandem beweisen, wer sie sind. Was zählt, sind Respekt, Offenheit und die Bereitschaft, zuzuhören.
Wann darf ich „ich selbst“ sein?
Der gesellschaftlichen Druck, gewisse Anforderungen erfüllen zu müssen um sich überhaupt mit sich selbst verbunden fühlen zu dürfen, kennen wohl leider auch fast alle CisFrauen im Alltag. Nicht schlank genug? Zu groß? Zu breite Schultern? Zu wenig Eigenhaar? Et cetera.
Schönheit hatte aber noch nie ausschließlich etwas mit dem Außen zu tun. Der Spruch „Schönheit kommt von Innen“ mag kitschig sein, trägt aber eine Wahrheit in sich, die ich als Maskenbildnerin in sämtlichen Bereichen meiner Arbeit erlebe:
Fühlt ein Mensch sich gesehen, mit dem was er innerlich empfindet und sich äußerlich wünscht, und wird dabei so akzeptiert, ist das sehr viel kraftvoller als ein Aussehen nach gesellschaftlichen Standards.
Jeder Mensch geht seinen persönlichen Weg im eigenen Tempo und nicht alle sind mit den selben Umständen auf die Welt gekommen. Natürlich war die Gesellschaft in den 60er Jahren noch eine andere als die heutige, mit der LGBTQ+ Bewegung.
Meine Kunden sind zwischen 20 und 80 Jahren alt und trotzdem verbindet sie alle eines: es ist nie zu spät, wenn eine Sehnsucht da ist.
Crossdressing ist ein
Fetisch
Ein Vorurteil, das viele Menschen aus der Community schon einmal gehört haben. Aber stimmt das wirklich?
Für manche Menschen kann feminine Kleidung mit besonderen Gefühlen oder Fantasien verbunden sein. Für viele andere jedoch überhaupt nicht!
Denn Crossdressing kann ganz unterschiedliche Bedeutungen haben:
Die Freude an schöner Kleidung. Kreativität und Selbstausdruck. Das Ausleben einer femininen Seite. Entspannung und Abschalten vom Alltag. Mehr Selbstvertrauen. Das Gefühl, ganz man selbst sein zu dürfen. Zugehörigkeit und Gemeinschaft.
Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte.
Während es für die einen ein kleiner Teil ihres Lebens ist, begleitet es andere über viele Jahre und wird zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Persönlichkeit.
Vielleicht liegt das größte Missverständnis darin, dass Außenstehende oft glauben, es gäbe nur einen einzigen Grund für Crossdressing. Dabei sind die Beweggründe so unterschiedlich wie die Menschen selbst.
Und genau das macht die Community so vielfältig.
Crossdresser sind alle
schwul
Eine der häufigsten falschen Annahmen über Crossdresser: „Wenn ein Mann Frauenkleidung trägt, ist er bestimmt schwul.“
Doch genau das ist ein weit
verbreitetes Missverständnis!
Wer wir sind, wen wir lieben und
wie wir uns kleiden, sind nicht automatisch dasselbe.
Ebenso bedeutet Crossdressing nicht automatisch, dass jemand trans ist.
Manche Crossdresser identifizieren sich eindeutig als Männer und genießen es, ihre feminine Seite auszuleben. Andere entdecken mit der Zeit, dass sie sich eher zwischen den Geschlechtern, als non-binär oder als trans verstehen. Wieder andere hinterfragen ihre Identität nie und sind einfach glücklich damit, gelegentlich feminin zu sein.
Crossdressing beschreibt den Ausdruck und ein Styling. Geschlechtsidentität beschreibt, wer du bist. Sexuelle Orientierung beschreibt, zu wem du dich hingezogen fühlst.
Crossdressing hat kein festes Gesicht, keine feste Sexualität und keine feste Lebensgeschichte.












